Wolbrechtshausen

 
Foto: Christian Krug

Wolbrechtshausen aus der Luft aufgenommen.

Geographie

Wolbrechtshausen ist ein Dorf gelegen am westlichen Rand des Leinetals, im Gebiet zwischen Solling und Harz. Es ist der westlichste Ortsteil des Fleckens Nörten-Hardenberg an der Grenze zur Stadt Hardegsen. Der Nachbarort Hevensen ist in den letzten Jahrzehnten mit Wolbrechtshausen zusammengewachsen, jedoch administrativ von ihm getrennt. Verbindende Grenze ist das gemeinschaftlich genutzte Dorfgemeinschaftshaus. Durch den Ort fließt die Espolde, ein in den Ostausläufern des Sollings entspringender Bach, der bei Lütgenrode in die Leine mündet. Den höchsten Punkt des Ortes markiert der nord-westlich gelegene Höheberg mit 177,4 Metern über NN. Im Mai 2016 zählte Wolbrechtshausen 523 Einwohner.

Geschichte

Die erste schriftliche Erwähnung von Wolbrechtshausen lässt sich auf ca.1210 datieren. Vermutlich ist der Ortsname, wie im Mittelalter bei Benennungen von Ortschaften mit -hausen charakteristisch, auf einen Personennamen, wahrscheinlich Wolbrechts, Vollbrecht oder Walbrecht, zurückzuführen. Letzterer existiert auch heute noch als Familienname im Ort. Es wird in späteren Quellen berichtet, dass die Herren von Hardenberg im Jahr 1345 dort ein großes Vorwerk besessen haben sollen. Noch 1365 besaßen sie 14 Hufen Land in Wolbrechtshausen, womit sie die Einwohner belehnten. Der Gutshof  am Ortseingang befindet sich auch heute noch im Besitzt der Familie von Hardenberg.

Im Jahr 1486 führte ein Brand zur fast vollständigen Zerstörung des Ortes. Auch die Pest wütete in Wolbrechtshausen und verursachte den Tod so vieler Einwohner, dass das Land nicht mehr ausreichend bestellt werden konnte. 1709 wurde die erste Schule im Ort gegründet. Der Lehrer war gleichzeitig Organist der Kirche in Hevensen, zu dessen Kirchengemeinde Wolbrechtshausen immer noch gehört. 1724 schenkte ein Herr der Familie von Dachenhausen dem Dorf ein Taufbecken mit der Inschrift "G.C.I. von Dachenhausen. Wolbrechtshausen, den 23.Januar. Anno 1724".

Die 1864 gestiftete Leineweberfahne, die auch heute noch bei dem traditionellen Fastnachtsumzug im Februar mitgetragen wird, geht auf die zahlreichen Leineweber zurück, die im 19. Jahrhundert im Ort ansässig waren. Ihre Präsenz im Dorf findet sich auch im Ortswappen wieder, welches zwei Weberschiffchen zur rechten und linken einer goldenen Harfe auf blauem Grund darstellt.

Im März 1974 wurde Wolbrechtshausen im Zuge einer Gebietsreform administrativ in den Flecken Nörten-Hardenberg eingegliedert. Dennoch hält der Ort an einer starken Kooperation mit der Nachbarortschaft Hevensen fest, die sich beispielsweise in der gemeinschaftlichen Nutzung der ehemaligen Schule, dem heutigen Dorfgemeinschaftshaus, und der Existenz eines gemeinsamen Sportvereins, niederschlägt.

Ortsbild

Den Dorfeingang ziert das Wappen des Ortes, eingefasst in ein hölzernes Überdach. Rechter Hand liegen der Sportplatz mit dem Sporthaus der Spielgemeinschaft  Wolbrechtshausen-Hevensen  und ein Spielplatz für Kinder, an den ein Feuchtbiotop angrenzt. Linker Hand sind der Dorfteich, sowie weitere Anlagen zu finden, die in den letzten Jahren angelegt wurden und der heimischen Tierwelt zugutekommen sollen. Darunter befinden sich ein Schwalbenhaus, ein Insektennest, eine Brutinsel für Eisvögel und ein Storchennest, dass gegenüber dem alten Hardenbergschen Gutshof mit seiner schönen Toranlage, gelegen ist.

Das "Altdorf" ist bis heute durch seine zahlreichen Gehöfte, ehemaligen Bauernhöfe und Fachwerkhäuser geprägt. Durch es hindurch verlaufen die Espolde und der von ihr abzweigende Mühlengraben, dessen Wasserkraft früher zum Antrieb von Mühlenrädern genutzt wurde. In der Ortsmitte befinden sich die Kapelle und der in früheren Zeiten als Versammlungs- und Gerichtsplatz genutzte gemauerte Thie. Die Kapelle wurde im 14. Jahrhundert zunächst als Wehrturm errichtet, bevor sie kurze Zeit später, durch die Ergänzung des Langhauses, zu einem Kirchengebäude ausgebaut wurde. Die Mauerstärke und die noch existierenden Scharten zeugen von ihrer ursprünglichen Funktion. Folgt man der Dorfstraße etwas weiter, erblickt man die zwei sich gegenüberliegenden ehemaligen Gaststätten und die Abzweigung Richtung des großen Friedhofs und des Höhebergs, dessen Spitze durch zweit sich gegenüberstehende Linden markiert ist. 

Im oberen Ortsteil befinden sich die neueren Siedlungen mit Wohnhäusern aus Stein und Verputz, sowie die frühere Schule, das heutige Dorfgemeinschaftshaus, an der Grenze zum Nachbarort Hevensen.

Kultur, Vereine und Ortsleben 

In Wolbrechtshausen existieren verschiedene aktive Vereine, darunter der Sportverein SG-Wolbrechtshausen-Hevensen, ein Plattdeutsch-Club, ein Förderverein des Dorfgemeinschaftshauses; alte Schule e.V., ein Gesangverein und die Freiwillige Feuerwehr Wolbrechtshausen. Überregionale Bekanntheit genießt der Musikverein, welcher regelmäßig Konzerte mit Beteiligung bekannter externer Orchester und Bands organisiert.

Zu den regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen im Ort gehören der immer am zweiten Februarwochenende stattfindende Fastnachtsumzug, mit traditionellem Würstesammeln im ganzen Ort und anschließendem Einzug ins Dorfgemeinschaftshaus, die Sporttage des Sportvereins im Juli und das Wettangeln am Dorfteich im September.